Heute habe ich mal Lust auf französisch. Nein, nicht was ihr gerade denkt – hier geht es schließlich nicht ums Essen. Ich spreche vom französischen Entwicklerteam, welchem wir Infernal Runner verdanken. Loriciel entwickelte über 150 Spiele und ist durch Blockbuster wie „Bob Winner“ und „Psyborg“ zurecht unbedeutend geblieben.

Einen Titel gibt es jedoch in der langen Liste, welcher heraussticht. Infernal Runner hat sich aus drei Gründen in meine Gehirnwindungen gefressen: Erstens einmal wegen des treibenden Themes, den ich jetzt wohl wieder tagelang nicht aus dem Kopf bekommen werde. Weiters wegen dem pervers hohen Schwierigkeitsgrad, der mich verzweifeln lies. Und drittens – der Hauptgrund – wegen der expliziten Gewaltdarstellung. OK, heute wirkt das Ganze vielleicht maximal amüsant. Damals aber spielte ich Infernal Runner nur, wenn kein Elternteil in der Nähe war.

Bildschirmfoto 2017 08 16 um 07.13.17 - Infernal Runner (c64, 1985)
Bildschirmfoto 2017-08-16 um 06.55.22

Die Reise ins Labyrinth

Kurz zur Story: Ihr seid in ein Labyrinth mit tödlichen Fallen geworfen worden, welchen ihr nur entkommen könnt wenn ihr alle 5 Schlüssel eingesammelt, und die 10 ebenfalls verstreuten Truhen damit geöffnet habt. Gespielt wird mit dem Joystick, wobei mit der Feuertaste gesprungen wird. Interaktionsmöglichkeiten gibt es im ganzen Spiel keine – es wird gehüpft, gesammelt und sehr oft gestorben. Wie eine Mischung aus Super Mario und Mortal Kombat. Im Grunde genommen ist Infernal Runner nicht wirklich umfangreich, denn das ganze Labyrinth ist nur 12 Bildschirme groß. Da man jedoch nicht so einfach von einem Bildschirm zum nächsten bzw. in die richtige Etage spazieren kann (ist ja schließlich ein Labyrinth), besucht man die einzelnen Teile sehr, sehr oft. Die verstreuten Pfeile dürften nur Deko oder zur Verwirrung da sein, denn es gibt schlichtweg keine richtige Richtung.

Die lustigen gepunkteten Wellen tun euch nicht weh - es sei denn ihr seid ihnen zu lange ausgesetzt, denn dann platzt euer Kopf...
Die lustigen gepunkteten Wellen tun euch nicht weh - es sei denn ihr seid ihnen zu lange ausgesetzt, denn dann platzt euer Kopf...

Der Tod steht ihm gut

Stacheln, Feuer, Minen und viele, viele weitere Fallen wollen das letzte fünkchen Leben aus euch herausquetschen. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Fallen erst erscheinen, wenn sie ausgelöst wurden. Klar, wenn man aufpasst oder den Auslöser schon kennt kann man dem ein oder anderen Ableben entgehen, pixelgenaues Springen vorausgesetzt. Klingt frustig, ist es auch. Einzig die Inszenierung der unterschiedlichen Todesarten trösten über das pausenlose Ableben ungeübter Spieler hinweg. Da es kein Zeitlimit im eigentlichen Sinne gibt, könnte ein langsames, behutsames vorgehen von Vorteil sein – wäre da nicht der pausenlose Hunger. Eine Energieleiste ist zwar vorhanden, ist aber eher eine Huneranzeige. Somit muss unser zuckerkranker Held von Zeit zu Zeit herumliegende Burger oder Äpfel verzehren, um nicht zu verhungern. Wenn da nicht auch Sammelobjekte Fallen auslösen könnten…

Todesfallen wie diese hier gibt es mehr als genug. Dafür ist euer Tod recht schön in Szene gesetzt.
Todesfallen wie diese hier gibt es mehr als genug. Dafür ist euer Tod recht schön in Szene gesetzt.

Der Sinn des Lebens

Mangels Story und befriedigendem Ende (Spoiler: Ihr werdet von der Rettung abgeholt, welche euch davor jedoch überfährt) liegt der Sinn des Spiels einzig in der Herausforderung. Obwohl der Schwierigkeitsgrad immens hoch ist, ist dieses Spiel mit genug Übung und Auswendiglernen durchaus schaffbar. Infernal Runner hat übrigens keine Soundeffekte. Gar keine. Einzig der Infernal Runner Theme dudelt bis zum Abschalten des C64 aus den TV-Lautsprecher und brennt sich in euer Hirn ein. Ich kann nicht sagen warum, aber die Musik hat etwas. Sie ist nicht sonderlich gut, aber in gewisser Weise ein unverwechselbarer Ohrwurm.

Zu guter Letzt bleibt mir nur zu sagen: Probiert es aus, Infernal Runner muss man einfach gespielt haben. Jedoch in der c64er Version, denn der Amstrad-Port ist zwar farbenfroher, jedoch meiner bescheidenen Meinung nach der Charme des Spiels.

Aus dieser Fallgrube gibt es kein Entkommen, es sei denn ihr habt alle Truhen geöffnet - dann ist dies der Ausgang.
Aus dieser Fallgrube gibt es kein Entkommen, es sei denn ihr habt alle Truhen geöffnet - dann ist dies der Ausgang.

Pixellent Memories

Damals

Infernal Runner hatte für mich aufgrund des Gore-Faktors etwas Verbotenes. Ich bin nie sehr weit gekommen, aber das hatte ich auch nie vor. Viel zu interessant war es, die Unterschiedlichen Arten das Zeitliche zu segnen zu erforschen. Mit fast schon sadistischem Hintergedanken legte ich die Floppy mit Infernal Runner ins Laufwerk um dann ohne das Wissen einer Aufsichtsperson ein paar Köpfe platzen zu lassen.


Heute
Naja, das Gefühl etwas Verbotenes zu spielen fällt heute weg. Übrig bleibt der hämmernde Soundtrack und ein frustrierend schweres Spiel. Das pixelgenaue Hüpfen und das Timen der verschwindenden Plattformen ist mir zu mühsam. Viel zu sehr ärgert es mich, wenn ich mich verrechnet habe, und schon wieder von Wänden zerquetscht werde, da bringen auch die witzigen Animationen nichts. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ich Infernal Runner aus irgendeinen masochistischen Grund wieder spielen werde…

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Retrogamer, Kind der 80er und Vollzeitvater, der alle Hände damit zu tun hat seinen Kindern klar zu machen, dass nicht alles Alte schlecht ist, sich Trends immer wiederholen und es auch seine Vorteile hat, älter als das Internet zu sein ;-)

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