Da ich steif und fest der Meinung bin, dass es wieder einmal höchste Zeit ist den Bullshit-Stempel auszupacken, wird heute Stroker mit einem Artikel geehrt. Einem Winzigen zumindest. Stroker – ein Spiel mit hohem Bekanntheitsgrad, nur gibt es keiner zu.

Nun ja, solltet Ihr diesen geistigen Erguss der Videospielindustrie schon kennen, muss ich wohl nicht viel erklären. Alle Anderen mögen bitte verzeihen, dass ich aus genitalen Gründen das Gameplay nicht originalgetreu wiedergebe. Anstatt dem organschwingenden Original kommt ihr in den Genuss des kindgerechten, youtubekonformen, Unicorn Flower Edit – ohne Einhorn aber mit ganz viel Flower!

Es gibt von diesem Prachtexemplar weder Cover, noch ein richtiges Titelbild um in Stimmung zu kommen – es ist auch fraglich, ob Stroker jemals in den Verkauf gelangte. Nach dem Laden der Daten ergießt sich der Schriftzug in gewaltigen Lettern auf die Fernsehröhre.

Bildschirmfoto 2017 07 01 um 18.12.16 - Stroker (C64, 1983)
Bildschirmfoto 2017 06 30 um 17.34.46 - Stroker (C64, 1983)

Auditive Entladung

Bevor wir uns den botanischen Begierden widmen, kurz ein paar allgemeine Worte zu dieser S(t)imulation. Solltet ihr es noch nicht getan haben, dreht die Musik ab oder zumindest leiser. Die Musik ist nämlich nicht ganz so beruhigend, wie sie in den Instruktionen versprochen wurde. Die Aufnahme eines Affen, welcher mit einem Fisch auf ein Keyboard eindrischt, ist Ohrenschmeichelnder. Die Grafik ist sogar für C64 Verhältnisse eher unterdurchschnittlich. Ein Großteil des visuellen Unfalls besteht aus den C64 Sonderzeichen – auf Sprites und Logik wurde im gleichen Ausmaß verzichtet und sind demnach spärlich gesät. Die unterschiedlichen Grasfarben, sowie der Farbunterschiede der Blume und der Hand, sowie das unnatürliche Wachstum der Blume hätten besser gelöst werden können.

Bildschirmfoto 2017 06 30 um 17.34.16 - Stroker (C64, 1983)
Obwohl es damals noch keine offiziellen Ratings gab, sorgte Magic Carpet Software freiwillig dafür

Der kleine Mann ganz groß

Das Spielprinzip ist simpel. Wahlweise mit Joystick oder Keyboard steuert ihr euern Arm nach oben und unten. Durch das Streicheln wird eure Blume länger. Seid ihr zu hastig oder läuft die Zeit ab ist das Spiel aufgrund vorzeitiger Explosion vorbei. Ob die Blume kurz vorm Pollenausstoß ist, signalisiert euch der kleine Mann links oben (die Lustigen Gesichter des kleinen Lümmels sind noch das Beste am Spiel), und auch die Verfärbung der Blume selbst. Je länger die Blume, desto mehr Pollen versprüht sie am Ende in Begleitung einer epileptischen Lightshow. Ebenfalls steigt eure Bewertung auf dem so genannten „Peter Meter“. Allerdings schafft sogar ein Komapatient mit gebrochenen Händen nach ein paar Versuchen locker ein Great-Ranking auf der Peter-Skala, was Stroker genauso spannend wie Mottenkugeln macht. Zumindest ein wenig sollte dennoch jeder einmal damit herumgespielt haben, denn eines muss man Stroker lassen: Es ist ungewöhnlich und innovativ. Und nur für Erwachsene.

Bildschirmfoto 2017 06 30 um 17.35.43 - Stroker (C64, 1983)
Nicht zu hastig oder "energetisch" mit der Blume umgehen, sonst versprüht sie zu früh ihre Pollen.

Pixellent Memories

Damals

Ja, ihr werdet es kaum glauben, aber auch hierfür gibts „Pixellent Memories“! Das allererste Erwachsenenspiel, welches ich je gespielt habe. Was für ein Mist. Damals noch pre-pubertär und unschuldig legte ich diesen Titel ein und war erstmal ratlos. Nicht nur, dass ich keine Ahnung hatte was zu tun war, wusste ich aufgrund kindlicher Unbedarftheit  auch nicht, was am Fernseher dargestellt wurde. Erst vermutete ich, dass dies eine Nase sein sollte aber dann….
….dann sah meine Mutter das Treiben am Fernseher, schaltete panisch den C64 ab und entfernte die Diskette…..


Heute
OK, heute ist mir natürlich klar, was bei Stroker abgeht. Besser macht es das Spiel aber trotzdem nicht, und dass obwohl ich die Messlatte nicht hoch angesetzt habe. Beim 3. Versuch hatte ich schon das beste Rating – der Höhepunkt des Spielspaßes wurde somit erreicht. Nicht aufgrund jahrelanger Übung und Erfahrung, sondern da das Spiel sehr kulant ist, was das Timing angeht.Haben wir zwei Mal gelacht und den schlaffen Schwierigkeitsgrad überwunden, verschwindet Stroker dort hin, wo es hingehört: Ins dunkelste Loch des Retrogaming-Friedhofs. Als Partyspiel für ein paar Lacher sicher witzig, für alles Andere viel zu anspruchslos und daher zurecht mit dem Stempel ausgezeichnet.

Gameplay Video

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1 Kommentar auf "Stroker (C64, 1983)"

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YesterPlay80
Gast

Klasse geschriebener Beitrag, die vielen subtilen Umschreibungen gefallen mir. 😉

Zum Spiel: Kannte ich bisher nicht, weder mit Blume noch mit Genital. So oder so aber ein qualitativ recht erbärmliches Spiel, ich habe mich bei Youtube weitergebildet. 😉 Dann doch lieber den eigenen Joystick…

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Retrogamer, Kind der 80er und Vollzeitvater, der alle Hände damit zu tun hat seinen Kindern klar zu machen, dass nicht alles Alte schlecht ist, sich Trends immer wiederholen und es auch seine Vorteile hat, älter als das Internet zu sein ;-)

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