Unbenannt 1 - Beach Head II (C64, 1985)

Beach Head II (C64, 1985)

Beach Head II 207x300 - Beach Head II (C64, 1985)Beach Head II erschien nicht nur für den Commodore64, sondern auch für  den Apple II, Atari 400/800, Amstrad CPC und den ZX Spectrum. Entwickelt von Access Software, die einige von euch von Spielen wie Links386 oder Raid over Moskow kennen. Sie hatten damit in Deutschland wenig Vergnügen, denn das böse Spiel wurde gleich nach dem Erscheinen 1985 indiziert. Das bedeutet allerdings auch, dass es mittlerweile (nämlich seit 2010) wieder von der Liste gestrichen wurde. Die 25 Jahre sind vorbei und es gibt aus heutiger Sicht keinen Grund mehr für eine Indizierung. Wir sind halt alle ein gutes Stück morbider als 1985…

Well, well, well, der diktatorische Diktator “The Dragon” hat offenbar doch die Zerstörung seiner Festung überlebt und geht uns schon wieder auf die Nerven. Diesmal hat der Fiesling einfach Geiseln genommen und in seine neue Festung gesperrt. Sowas aber auch. Also schnappt unser Oberkommandant J.P. Stryker 32 seiner Männer, quetscht sie alle zusammen in einen einzigen Hubschrauber und fliegt zur Insel des Diktators.

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The Beach

Beach Head II kann im Gegensatz zum Vorgänger auch gegen einen zweiten Spieler gespielt werden. Das ist auch empfehlenswert, denn alleine macht dieser Titel nur bedingt Spaß. Das Genre ist gar nicht so einfach festzumachen, da die viel Level von Beach Head II komplett unterschiedlich sind. Hat man die selbst beweihräuchernde Introsequenz inklusive Hymne der U.S. Marines überstanden (welche man nicht überspringen kann), hat man nun die Wahl zwischen ein oder zwei Spieler, sowie dem Schwierigkeitsgrad, welcher Geschwindigkeit und Intelligenz des Computers bestimmt. Ebenfalls können die Levels zu Übungszwecken einzeln angesteuert oder das Spiel normal gestartet werden.

Also starten wir mal das Spiel und übernehmen im ersten Teil von Level 1 die Kontrolle des Hubschraubers. J.P. Strykers taktischem Geschick ist es zu verdanken, die günstigste Stelle gefunden zu haben um unsere Soldaten abzusetzen. Genau vor einem Maschinengewehr. Japp, unsere Mannen müssen frontal darauf zulaufen, aber dazu später. Erst einmal werfen wir mal mit dem Feuerknopf nach der Reihe unsere Leute aus dem Hubschrauber, welche daraufhin selbstständig hinter der nächstgelegenen Mauer Deckung suchen. Somit muss einerseits der Geschützturm abgelenkt werden, damit er unsere Soldaten nicht gleich nach dem Ausstieg ins Jenseits befördert, und andererseits auf eine gleichmäßige Aufteilung geachtet werden, denn unsere Männer haben keine Lust hinter einer voll besetzten Wand zu stehen. Ist hinter einer Wand kein Platz mehr, gehen sie beleidigt nach Hause. Wer denkt dass es klug sei, die Fallschirmspringer knapp über den Boden zu entlassen, täuscht sich. Da sich zwei Meter über den Boden der Fallschirm nicht mehr öffnen kann, springen sie in den sicheren Tod.

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Immer die Leute gut aufteilen, denn keiner mag voll besetzte Mauern…
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Gleich geschafft. Das Geschütz kann weggebombt werden, wird aber unverzüglich durch ein neues ersetzt.

Tragbare Löcher

Haben einmal Alle (bis auf den Piloten) den Hubschrauber verlassen, müssen sie nun noch am Geschütz vorbei. Ein Soldat nach dem anderen sollten nun in geschickt gewählter Reihenfolge erst mal zwei Mauerreihen weiter nach vor rücken um dann am Bleikugelspucker vorbeizulaufen. Hier macht sich eine Besonderheit von Beach Head II bemerkbar: Die Sprachsamples in der gleichen Qualität, wie wir sie aus Ghostbusters und Impossible Mission kennen! Kaum verwunderlich, da die gleiche Bude dafür zuständig war. “Follow me, men!” ruft unser J.P. um Teile seiner Armee in den sicheren Tod zu schicken. Auch das Ableben wird mit digitalen Todesschreien soundtechnisch untermalt. Im letzten Abschnitt des Levels kann das Maschinengewehr auch zerstört werden, was Extrapunkte gibt. Ist zumindest ein armes Schwein durchgekommen gehts weiter mit Level 2.

Was Access Software bei diesem Level eingefallen ist, ist schwer nachzuvollziehen. Es ist an Dummheit kaum zu überbieten. Diesmal sitzen wir am Maschinengewehr und müssen dafür sorgen, dass die Geiseln heil das Gebäude verlassen. Sie starten am linken Bildschirmrand und marschieren in einem wahnsinnig langsamen Tempo nach rechts. Vielleicht haben sie ihnen die Schnürsenkel zugebunden – hab gehört das machen Terroristen so. Naja, jedenfalls möchte der Diktator dies verhindern, daher schickt er Söldner, die den Geiseln Steine auf den Kopf fallen lassen, sowie Minen mittels verschiebbarer (?) Falltüre vor deren Füßen platzieren.  Die Geiseln sind leider so doof und trappeln genau drauf ohne einen Schritt zur Seite zu gehen. Auch nicht, wenn ein Panzer genau vor Ihnen steht, da wird man lieber mal zermalmt. Das nenne ich mal stur. Fun Fact: Der Todesschrei der Geisel bei der Besichtigung der Panzerunterseite ist frech Impossible Mission entnommen. Die Bewegung der Geisel kann nur mittels Schuss auf die Türen beeinflusst werden, dann dann bewegt sie sich ein wenig schneller. Wenn ihr sie treffen solltet bittet sie euch, dass freundlicherweise nicht mehr zu tun.

Dieses Level ist der ödeste Abschnitt des Spiels. Hätte ich Beach Head II nicht aufgrund des Artikels weiterspielen müssen, hätte ich das Spiel wahrscheinlich abgebrochen. Es dauert ewig, bis eine Geisel den rechten Bildschirmrand erreicht – und das wiederholt sich noch 19 mal…

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Dass unsere Geisel dem Panzer nicht ausweicht sondern einfach hineinlauft, erinnert stark an Austin Powers.

Ab in den Heli

Nun müssen die Geiseln noch irgendwie von der Insel geschafft werden, also pferchen wir sie in den Helikopter (die Anzahl kann frei gewählt werden) und fliegen davon. Da es viel zu einfach wäre, mal den Helikopter hochzuziehen und in sicherer Höhe zu entkommen, fliegen wir einmal quer über die Insel. Ihr müsst Geschützen ausweichen, Panzer abschießen und aufpassen, dass ihr nicht von hüpfenden (!?) Luftminen getroffen werdet. Auch gegen Wände oder Zäune solltet ihr nicht fliegen, sondern die Flughöhe dem Entsprechend regulieren. Geschütze und ganze Gebäude können weggeballert werden und bringen Punkte, den raketenfesten Maschendrahtzaun und Schranken hingegen könnt ihr nur ausweichen. Habt ihr das erledigt, sind alle in Sicherheit – bis auf J.P. Stryker, der den Diktator himself in Level 4 gegenübersteht.

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Die Grafik von Level 3 ist auch für C64 Verhältnisse für das Jahr 1985 unterdurchschnittlich

Beim Stöckchenwerfen in Level 4 beschmeißt ihr den Diktator mit….Stöckchen. Wahrscheinlich sollten es Messer sein. Er macht allerdings genau das Gleiche – offenbar liegen am Hafen unzählige davon herum. Derjenige, der vier Mal getroffen wird, stürzt ins Wasser und ist temporär tot. Zumindest bis die nächste Runde beginnt, denn das Spielchen muss geschlagene 9 Mal gespielt werden. Vielleicht sinds ja doch Stöckchen…

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Hol das Stöckchen! Im langatmigen Finale bewerfen wir uns mit Stöcken. Wie die Beiden auf die Plateaus gekommen sind, wird ein Rätsel bleiben.

Große Erwartungen

Ich hab mir mehr davon erwartet. Beach Head II kommt nicht im Entferntesten an den Vorgänger heran. Klar ist die Sprachausgabe nett, aber das wars dann auch schon. Die Grafik, besonders  die des Level 3, ist für 1985 nicht mal mehr Mittelmaß sondern überholt. Neben der Sprchausgabe tut sich soundtechnisch so gut wie gar nix. Musik gibts nur im Titelbildschirm und das Schuss-, und Explosionsrauschen konnte schon der Atari 2600. Unglaublich dumme Designentscheidungen wie diese wandernde Falltüre, der Panzer im Gebäude und Fallschirmspringer, welche bei einem 2 Meter Fall sterben tun einfach weh. Hinzu kommen die langatmigen Levels 2 und 4. Wer war denn hierfür verantwortlich? Warum muss ich den Diktator 9 Mal besiegen (also mindestens 36 Mal mit “Messern” treffen) bevor das Spiel vorbei ist und warum wird dies in einem Scoreboard festgehalten, welches ich vom Bowling kenne? Und wo ist die leicht bekleidete Dame, die am Cover zu sehen ist? Leute ich sags euch wie es ist – Beach Head II ist ganz knapp an der zweifelhaften Ehre vorbeigeschrammt, ein Videospiel des Grauens zu sein. Gerettet wurde das Spiel nur von der Sprachausgabe und dem passablen ersten Level.

Die VHS zum Spiel
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