Dirty (C64, 1991)

Dirty (C64, 1991)

Keine Sorge, der Artikel und auch das Spiel sind keinesfalls NSFW – ganz im Gegenteil. Bei diesem Titel wird es nicht Christina Aguilera-Dirty, sondern Müllhalden-Dirty. Also schlagt euch die halbnackten Tänzerinnen aus dem Kopf, denn wir müssen die Welt retten!

 

Bei Dirty handelt es sich um ein klassisches Point&Click Adventure a la Maniac Mansion oder Zak McKracken, aber aus deutschem Hause. Wer nun einen Triple-A Titel erwartet, den muss ich leider enttäuschen: Dirty ist “nur” der Gewinner eines Programmierwettbewerbs des 64er Magazins mit ein paar Ecken und Kanten, aber dennoch spielenswert.

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Maniac McKracken

Die Story kurz zusammengefasst: Ein böser Professor der Uni, der gerade aus dem Zuchthaus entlassen wurde, will böse Zombies aus Müll erschaffen – diabolisches upcycling sozusagen. Anscheinend stellt die Uni wohl keine großen Anforderungen an seine Wissenschaftler. Übernatürliche Kräfte hat er auch und unsere Freundin ist ebenfalls weg. Also machen wir uns auf den Weg, weil das passt uns gar nicht…

Dass sich Dirty von den schon genannten Lucasfilm Titeln inspirieren hat lassen, fällt schon bei Beginn auf. Zwar erinnert die Straße stark an Zaks Heimatadresse in San Francisco, jedoch hat der Shop glücklicherweise geöffnet und wir werden nicht mit einem Baguette bombardiert.

Unser blauer Held startet vor der Schule und wartet auf Anna - vergebens.
Unser blauer Held startet vor der Schule und wartet auf Anna - vergebens.

SCUMMification mit sturem Parser

Dank einer abgewandelten (kopierten?) Form der SCUMM-Engine (Sogar der Mauszeiger ist ident) ist die Steuerung nicht unbekannt. Die Rätsel sind meistens schlüssig….meistens…. Die größte Schwierigkeit ist jedoch die Sturheit des Parsers, so muss zum Beispiel die Salami dem Hund gegeben werden. Benutze Salami mit Hund funktioniert hingegen nicht.

 

Soundtechnisch läuft Dirty auf Sparflamme. Also im Extremsparmodus. Ein paar Soundeffekte und die Titelmusik, das wars aber dann auch schon (Angesichts der Titelmusik ist es vielleicht besser so). Auch die Grafik wirkt für 1991 ziemlich altbacken, aber zur Erinnerung: Es handelt sich um ein Programmierprojekt für die 64er.

Klar - wir retten die Welt und wo finden wir Anna? Im Kino...
Klar - wir retten die Welt und wo finden wir Anna? Im Kino...

Ein Fall für Vankman?

Mit Annas Befreiung ist die Sache aber noch nicht erledigt, denn der böse Wissenschaftler tut ja immernoch böse Dinge. Also begeben wir uns mit einer Flasche guter Geister (warum auch immer) in den letzten Raum. Vorher ist allerdings unbedingtes Speichern angesagt, denn hier wird nicht mehr geklickt…

 

Jump and Run ist angesagt, denn hier muss unser Held bösen Geistern ausweichen. Erreicht man nach dieser teilweise frustrierenden Passage das Ende, steht man face to face vor Dr. Evil und – das Spiel ist zu Ende. Kein Witz, hier gibt es absolut Nichts zu tun. Wirklich. Da ist dem Programmiererteam wohl die Zeit ausgegangen, denn bis auf das Endbild wars das.

Das ist kein Feature, sondern ein Grafikglitch der Jump´n´run Passage
Das ist kein Feature, sondern ein Grafikglitch der Jump´n´run Passage

Pixellent Memories

Damals

Gleich vorweg: Ich habs damals nicht zu Ende gespielt, aber ich hab Dirty als cool in Erinnerung. Die so gut wie nicht vorhandene Sounduntermalung, sowie die eher schlechte Grafik haben mich nicht weiter gestört. Da meine Disk einen Fehler hatte, war für mich aber noch vor der Uni Sense.


Heute

Naja, vom Hocker gehaut hat mich Dirty beim Replay nicht, aber es machte trotzdem Spaß. Zwar hatte ich die Komplettlösung zur Hand, jedoch sind viele Rätsel mit ein wenig logischem Denken zu meistern. Die Endsequenz war extrem frustrierend und das abrupte Ende eher unbefriedigend. Ein klein wenig mehr Humor hätte ich mir ebenfalls gewünscht.

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Über den Autor

Retrogamer, Kind der 80er und Vater, der alle Hände damit zu tun hat seinen Kindern klar zu machen, dass nicht alles Alte schlecht ist, sich Trends immer wiederholen und es auch seine Vorteile hat, älter als das Internet zu sein ;-)

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1 Kommentar

  1. Andre

    Hi Leo!

    Wow, das ist wirklich eine besondere Perle 🙂 Ich bin immer wieder erstaunt, welche einzigartige Blüten die Heimcomputer-Ära geschaffen hat. “Zombies aus Müll” – auf so eine Story muss man erst einmal kommen. Und natürlich hat er Professor Superkräfte. Und natürlich muss er seine Freundin retten. Das klingt tatsächlich fast nach einem Zak-Plot.

    Hach. Solche Geschichten können doch eigentlich nur Kids kommen, oder? Was haben sich István Gal und Peter Wolkensdorfer dabei gedacht? Wie sind sie darauf gekommen? Unter welchen Umständen ist das Spiel entstanden? So etwas interessiert mich immer brennend und am liebsten würde ich dann immer gleich die Autoren fragen. Wenn das nur immer so leicht wäre 😉

    Die Gestaltung jedenfalls scheint mir mit Liebe gemacht. Und auch wenn Spielsteuerung aus meiner Sicht etwas überladen wirkt, scheint mir “Dirty” ein auf seine Art ambitioniertes Spiel zu sein.

    Danke, dass Du es uns vorgestellt hast!

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